Menschen mit einer Panikstörung entwickeln häufig bestimmte Strategien, um Angst und Panikattacken zu vermeiden oder besser kontrollieren zu können. Dieses sogenannte Sicherheitsverhalten fühlt sich im Moment oft beruhigend an – kann jedoch unbewusst dazu beitragen, die Angst langfristig aufrechtzuerhalten.
In diesem Artikel erfährst du, was Sicherheitsverhalten bei Panikstörung genau ist, welche Vor- und Nachteile es hat und warum der schrittweise Abbau ein wichtiger Bestandteil der Therapie sein kann.
Was bedeutet Sicherheitsverhalten bei Panikstörung?
Unter Sicherheitsverhalten versteht man alle Handlungen, Gedanken oder Hilfsmittel, die Betroffene einsetzen, um sich vor einer befürchteten Panikattacke oder deren vermeintlichen Folgen zu schützen.
Typische Beispiele für Sicherheitsverhalten sind:
- Mitführen von Medikamenten, Beruhigungsmitteln oder Wasserflaschen
- Ständiges Überprüfen von Puls, Atmung oder Blutdruck
- Vermeidung bestimmter Orte (Supermärkte, öffentliche Verkehrsmittel, Menschenmengen)
- Nur noch in Begleitung das Haus verlassen
- Sitzen in der Nähe von Ausgängen oder Fluchtwegen
- Ablenkungsrituale wie exzessives Handy-Nutzen oder innerliches „Kontrollieren“
All diese Strategien haben eines gemeinsam: Sie sollen Sicherheit vermitteln und Angst reduzieren.
Vorteile von Sicherheitsverhalten
Sicherheitsverhalten ist kein „Fehler“ – es entsteht aus dem natürlichen Wunsch heraus, sich zu schützen.
Kurzfristige Vorteile sind:
- Gefühl von Kontrolle über die Situation
- Kurzzeitige Reduktion von Angst und Anspannung
- Erleichterung beim Betreten angstauslösender Situationen
- Gefühl, „etwas gegen die Panik tun zu können“
Gerade zu Beginn einer Panikstörung können diese Strategien helfen, den Alltag überhaupt noch zu bewältigen.
Nachteile von Sicherheitsverhalten
Problematisch wird Sicherheitsverhalten dann, wenn es dauerhaft eingesetzt wird.
Langfristige Nachteile sind:
- Die Angst wird nicht widerlegt, sondern bestätigt
- Die Überzeugung „Ohne Sicherheit halte ich es nicht aus“ verfestigt sich
- Das Vertrauen in den eigenen Körper nimmt weiter ab
- Die Angst generalisiert sich auf immer mehr Situationen
- Abhängigkeit von Begleitpersonen oder Hilfsmitteln entsteht
Das Gehirn lernt: „Nur weil ich mein Sicherheitsverhalten benutze, ist nichts passiert.“
Nicht: „Ich bin auch ohne Sicherheit in der Lage, Angst auszuhalten.“
Damit wird Sicherheitsverhalten zu einem unsichtbaren Verstärker der Panikstörung.
Sicherheitsverhalten und Therapie
In der kognitiven Verhaltenstherapie wird Sicherheitsverhalten gezielt thematisiert. Ziel ist nicht, alles auf einmal wegzulassen, sondern:
- Sicherheitsverhalten bewusst wahrzunehmen
- Es schrittweise zu reduzieren
- Neue Erfahrungen zu ermöglichen: „Ich halte Angst auch ohne Schutz aus.“
Besonders im Rahmen von Expositionsübungen zeigt sich, dass Panikattacken von allein abklingen – selbst ohne Sicherheitsstrategien.
Fazit
Sicherheitsverhalten bei Panikstörung ist menschlich, verständlich und kurzfristig hilfreich. Langfristig verhindert es jedoch die wichtigste Lernerfahrung: Angst ist unangenehm, aber nicht gefährlich – und sie geht von selbst vorbei.
Wer lernt, Sicherheitsverhalten Schritt für Schritt loszulassen, stärkt das Vertrauen in den eigenen Körper und schafft die Grundlage für nachhaltige Angstbewältigung.
Haufige Fragen (FAQ)
Ist Sicherheitsverhalten gefährlich?
Nein, aber es kann die Panikstörung aufrechterhalten und verschlimmern.
Sollte ich Sicherheitsverhalten sofort ablegen?
Nein. Ein langsamer, geplanter Abbau ist sinnvoller und nachhaltiger.
Geht das auch ohne Therapie?
Grundsätzlich ja – mit fundierter Anleitung, Selbsthilfeprogrammen oder therapeutischer Begleitung ist es jedoch deutlich leichter.
Quellen & weiterführende Literatur
- Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT): Angststörungen
- American Psychiatric Association (APA): Panic Disorder
- Clark, D. M. (1986). A cognitive approach to panic
- Margraf & Schneider (2018). Panik – Angstanfälle und ihre Behandlung
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Anxiety Disorders